Leinenzwang – ein paar Gedanken zum Ende der Brut- und Setzzeit
Eckbert, am 17. Juli 2010
Vorgestern, nämlich am 15. Juli, ging in Niedersachsen wie jedes Jahr die so genannte Brut- und Setzzeit zu Ende. Während dieser Zeit herrscht in unserem Bundesland Leinenzwang in Wald und Feld. Sie dauert vom 1. April bis 15. Juli. Das war früher einmal anders und ich habe nie nachvollziehen können, wozu diese Regelung gut sein soll. Bis vor ungefähr 25 Jahren galt ganzjährig, dass Hunde frei laufen durften, solange sie
sich im Einwirkungsbereich einer Person befinden. Das heißt natürlich auch, dass die betreffende Person zuverlässig in der Lage ist, den Hund am Wildhetzen zu hindern. Ich fand und finde diese ehemalige Regelung deutlich besser als den generellen Leinenzwang während der Brut- und Setzzeit. Denn es geht natürlich zu allen Jahreszeiten nicht an, dass ein Hund irgendwelches Wild hetzt, auch das ist heute nicht anders als früher, denn das Ende der Brut- und Setzzeit heißt natürlich nicht “Jagd frei”. Auf der anderen Seite wären Hunde, die sowieso nicht hinter dem Wild her laufen, von vornherein aus dem Schneider, wenn es um den bewussten Zeitraum geht. Im Gegensatz zu dem, was der durchschnittliche Jäger einem weismachen will, gibt es nämlich definitiv Hunde, die eben nicht wildern. Und damit meine ich nicht nur arme alte Hunde, die es nicht tun, weil sie eben nicht mehr können.
Dann würde es auch nicht so auffallen, in welcher Weise während der Brut- und Setzzeit andere Aktivitäten stattfinden, die weitaus schlimmer sind in ihrer Auswirkung auf das Leben der frei lebenden Tierwelt, als ein frei laufender Hund, der gelernt hat, die Wege nicht zu verlassen und sich zuverlässig abrufen lässt, wenn ein Wildtier auftaucht.
So habe ich zum Beispiel in diesem Frühjahr, Mitte Mai, die frischen Spuren von im gleichen Monat durchgeführten Durchforstungsmaßnahmen gesehen. Diese haben sich in einem Gebiet abgespielt, von dem ich aus eigener Beobachtung weiß, dass dort Rehwild, Damwild und Schwarzwild seinen Einstand hat und dass es diverse Vogelarten gibt, die in dem Gebiet brüten. Ohne die geringste Rücksicht auf alle diese Tiere wurde dort mit den heute üblichen forstlichen Monstermaschinen, Harvester genannt, die Durchforstungsmaßnahme durchgeführt und das Holz anschließend mit den Rückemaschinen an die Abfuhrwege transportiert. Als ich dies sah, war die ganze Sache schon erledigt, aber ich bin sicher, dass Mitte April bei Beginn der Brut- und Setzzeit noch nichts dergleichen passiert war.
Da fühle ich mich doch irgendwie schikaniert, wenn ich zur selben Zeit am selben Ort meinen armen alten Fritz, der mit seinen knapp 13 Jahren fast blind ist und durch diverse Verschleiß-Erscheinungen an seinen Knochen nur noch mit Schmerzmitteln in der Lage ist, eine ganz langsame Runde mit mir durchzuhalten, an der Leine zu halten habe, wenn ich mich nicht strafbar machen will. Das ist doch eine Farce!
Ein anderes Beispiel: Während der Brut- und Setzzeit eines anderen Jahres fand ebenfalls im Mai (mindestens) eine Übungswoche eines Jagdgebrauchs-Teckel-Clubs statt, während der künstliche Schweißfährten gelegt wurden, die ebenfalls mitten durch die Bestände eines Forstes hier in der Nähe führten. Diese Fährten wurden dann von den Hundeführern mit ihren Teckeln gearbeitet. So führten die Jäger(!) selbst die von Ihnen doch immer wieder verteidigte und für unbedingt nötig und wichtig erklärte Brut- und Setzzeit ad absurdum!
Da fühle ich mich doch irgendwie schikaniert, wenn ich zur selben Zeit am selben Ort meinen armen alten Fritz, der mit seinen knapp 13 Jahren fast blind ist und durch diverse Verschleiß-Erscheinungen an seinen Knochen nur noch mit Schmerzmitteln in der Lage ist, eine ganz langsame Runde mit mir durchzuhalten, an der Leine zu halten habe, wenn ich mich nicht strafbar machen will. Das ist doch eine Farce!
Noch ein Beispiel: in einem weiteren Jahr fand ebenfalls im Mai eine Gelände-Rally eines Bogensport-Vereins statt. Auch diese führte auf schmalen Pfaden, zum Teil Wildwechseln, und auch außerhalb dieser Pfade quer durch die Büsche eines nahe gelegenen Waldes! Team auf Team rannte dann die Strecke ab und machte ihre Schießübungen, während auf die gleichzeitig im gleichen Gebiet gesetzten und geschlüpften Jungtiere in keinster Weise Rücksicht genommen wurde. Und so was wird genehmigt!
Da fühle ich mich doch irgendwie schikaniert, wenn ich zur selben Zeit am selben Ort meinen armen alten Fritz, der mit seinen knapp 13 Jahren fast blind ist und durch diverse Verschleiß-Erscheinungen an seinen Knochen nur noch mit Schmerzmitteln in der Lage ist, eine ganz langsame Runde mit mir durchzuhalten, an der Leine zu halten habe, wenn ich mich nicht strafbar machen will. Das ist doch eine Farce!
Kein wirklicher Tierfreund wird ernsthaft wollen, dass der eigene Hund hinter Wild her hetzt. Wer seinen Hund draußen führt, muss ihn nun einmal entweder so im Griff haben, dass er ihn auch bei sichtigem Wild abrufen kann, also der Hund wildrein ist, oder er muss ihn eben, wenn er meint auf die Leine verzichten zu müssen, die ganze Zeit frei bei Fuß führen. Dann ist die Einwirkung schließlich ungleich stärker, als wenn der Hund 10 Meter voraus ist. Oder man sagt sich, darunter geht viel entspannter, wenn der Spaziergang in wildreicher Gegend an der Flexi stattfindet. Diese Methode ziehe ich inzwischen vor, und zwar unabhängig von der Jahreszeit oder irgendwelchem Leinenzwang.
Früher war ich wie manche anderen der Ansicht, dass die Flexi für den Hund irritierend ist und die Leinenführigkeit beeinträchtigt. Und dass man durch den Gebrauch dieses eher praktischen Gerätes eigentlich zugibt, seinen Hund nicht erziehen zu können. Heute sage ich: Alles blöde Sprüche. Nach einigen Jahren Erfahrung mit dem Ding kann ich hier absolut Entwarnung geben. Denn so dumm sind unsere Hunde gar nicht. Meine Hunde und etliche weitere, die ich gut kenne, können ohne weiteres unterscheiden, ob ob sie gegen den leichten Zug der Flexi vorgehen dürfen, oder ob bei durchhängender Leine Bei-Fuß-Gehen angesagt ist. So habe ich es nicht nötig, meinen Hund während des gesamten Gangs unter Druck zu halten und kann ihm ein entspannteres Gehen bieten als im Freilauf. Und ich muss nicht ständig derart auf den Hund und die gesamte Umgebung konzentriert sein, wie ich das früher so gewohnt war, sondern kann mich unterwegs auch mal mit netter Begleitung unterhalten oder mich ganz entspannt an den Pflanzen am Wegrand erfreuen.
