Andere Länder, andere Hunde, andere Hundebesitzer

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Auch Hundefreunde reisen gern, aber das Vergnügen wird manchmal etwas getrübt, wenn man sieht, unter welchen Bedingungen Tiere in anderen Ländern leben.

Da sind zum Beispiel die Hunde in Südeuropa. Die Problematik der herrenlosen Streuner ist inzwischen schon allgemein bekannt, denn sie wird in fast allen Medien gelegentlich publiziert.

Aber auch Hunde, die einen Besitzer haben sind oft Verhältnissen ausgesetzt, die bei uns nicht mehr vorstellbar wären. Ich denke etwa an die Jagdhunde, die das ganze Jahr über kaum angesehen werden und dann zur Jagdsaison aus ihren Verliesen oder von ihren Ketten hervorgeholt und mitgenommen werden.

Aufbruch zur Jagd - hoffentlich kommen auch alle wieder zuhause an.So habe ich auf Teneriffa diese Fuhre Hunde gesehen, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf dem Weg zur Jagd waren. Eingezwängt in einen offenen Anhänger.

Eigentlich gehören die meisten Jagdhunde auf der Insel einer absolut eindrucksvollen Rasse an, wie ich finde. Sie gehören zu den Laufhunden und die Rasse heißt Podenco Canario. Neben der Orientierung nach dem Geruch sind diese Hunde auch absolute Augenhunde. Sie haben ein stolzes Erschheinungsbild und ein noch sehr ursprüngliches Wesen. Meist zieht ein großes Rudel aus mehreren Jägern und vielen Hunden durch die Bergwelt der Insel und macht Jagd auf Kaninchen.

Ich mag die Hunde im Podenco-Typ.Leider gehen dabei auch immer wieder einige dieser eindrucksvollen Tiere verloren und führen dann ein elendes Dasein. Wenn sie Glück haben landen sie dann in einer Auffangstation und werden an neue Besitzer vermittelt, zum Beispiel auch in Deutschland.

Auch im Algarve und im Süden von Frankreich hat mir die Hundehaltung nicht immer gefallen. Vor allen Dingen im Hinterland gilt es doch noch sehr antiquiert zu. Einerseits in der oben beschriebenen Weise und zum anderen sieht man natürlich auch Hunde, die an der Kette ein trostloses Leben als Wachhund führen.

Im Algarve immer noch NormalitaetIch frage mich manchmal, wie so etwas heute noch möglich ist. Sehr viel liegt glaube ich daran, dass es schon immer so war. Und es liegt auch daran, dass Hunde in Händen von Leuten sind, die niemals ein Buch in die Hand nehmen. Solche Leute gibt es allerdings auch bei uns zuhause und man sollte sich nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, wenn man pauschale Aussagen über „die Südländer und ihre Hunde“ machen will.

Selbstverständlich gibt es in all den genannten Ländern auch Menschen, die durchaus auf dem Wissensstand und mit der Einstellung ihrer Hunde halten, wie sie der heutigen Zeit in Westeuropa entspricht, und zwar durchaus nicht nur Zugereiste Europäer aus Ländern wie Deutschland England oder Holland sondern auch wirkliche Einheimische. Es ist nicht wahr, dass dort nur Ignoranten leben.

Ich kann mich erinnern, dass Hunde zur Zeit meiner Kindheit, das war vor ungefähr 50 Jahren und mehr, auf deutschen Bauernhöfen und and allen möglichen anderen Häusern an ebenso kurzen Ketten hängen mussten und nur unzureichende Unterschlupfmöglichkeiten hatten, ganz wie man es heute dort unten im Süden sieht. Und viel zu oft war im heissen Sommer der Wassernapf leer. Es gab damals auch in unserem Lande streunende Hunde, was man sich heute wohl gar nicht mehr vorstellen kann.

Durch passende Vorschriften und noch mehr sicher auch den Wandel des kollektiven Bewusstseins dem Tier gegenüber hat sich das durchschnittliche Bild der Hundehaltung hier bei uns in solchen Dingen entscheidend geändert.

Vielleicht gibt es unter der Sonne des Südens einen geringeren Anteil der Bevölkerung, der den Tieren wirklich zugetan ist. Aber insgesamt gesehen kann man auch dort schon den Beginn eines Wandels in der Einstellung ausmachen, wenn man genau hingehört und hinsieht. Und das besonders bei der jüngeren Generation, soweit sie überhaupt noch Tiere hat und obwohl es dort auch Typen gibt, die ihre Hunde ausschließlich zum Angeben anschaffen – auch solche findet man hier und heute bei uns in Deutschland.

Das einzig Beständige ist bekanntlich der Wandel. Ich denke, dass die Bemühungen und die Aufklärungsarbeit der vielen, vielen Idealisten, die dort unten tätig sind, im Lauf der kommenden Jahrzehnte auch in Südeuropa eine klare Verbesserung für die dort gehaltenen Hunde bewirken werden. Auch bei uns hat das seine Zeit beansprucht und viele Verhältnisse, die ich in meiner Kindheit in Deutschland gesehen habe, unterscheiden sich nicht wirklich von denen dort unten. Ich finde, das musste mal gesagt werden ohne etwas beschönigen zu wollen, denn es ist in Vergessenheit geraten. In Deutschland hatte die Veränderung vor allem in den Köpfen einen Zeitraum beansprucht, den man in zwei oder drei Jahrzehnten messen muss. Warum sollte es anderswo schneller gehen?

Gesehen in der schoenen alten Stadt Tavira im AlgarveUnd um auch ein nettes Bild zum Schmunzeln zu zeigen: den Hund vor dem Kuchenteller habe ich in dem Städtchen Tavira im Algarve vor einem Café fotografiert. Ihm geht es offenbar nicht wirklich schlecht, er hatte überhaupt nicht das typische Verhalten der verwildertern Strassenhunde und sah insgesamt etwa so kultiviert aus, wie er gerade zu speisen beliebt. Er hat den Teller langsam und genüsslich leer gemacht. Ich schätze, er gehörte einem Anwohner dort.

Auch das kann Hunde-Lebenswiklichkeit in Südeuropa sein. Und, bitte, beschwert euch jetzt nicht darüber, dass ich mich nicht daran störe, dass er Kuchen frisst, obwohl der einem Hund nicht wirklich zuträglich ist. Ähnlich die Situation so sehe drängt sich das Motto „Leben und leben lassen“ in meinem Kopf in den Vordergrund… 😉

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2 Antworten auf Andere Länder, andere Hunde, andere Hundebesitzer

  1. Janette sagt:

    Guten Abend!
    Es war für mich sehr eindrucksvoll, diesen Artikel zu lesen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen lebe ich seit geraumer Zeit im Süden, genauer gesagt in Spanien. Zum anderen bin ich einer dieser Idealisten, die die Hundewelt hier ein wenig verbessern will. Für mich als Deutsche gab und gibt es in diesem Land viele herbe, traurige und frustrierende Erfahrungen, was die „Hundehaltung“ angeht. Vor allem in meiner direkten Nachbarschaft leben viele Hunde, allerdings werden sie – wie beschrieben – als Wachhunde oder besagtes Statussymbol gehalten. Sie haben in den meisten Fällen keinen Auslauf, keine Bezugsperson und daher natürlich auch keinerlei Sozialisation. Sie erfüllen ihren „Job“: bellen, bellen und nochmals bellen. Traurig! Dann gibt es die andere Sorte: Hunde, die zwar ausgeführt werden, aber keinerlei Erziehung genossen haben. Ich komme oft ins Gespräch mit anderen Hundehaltern (ich selbst habe einen Schäferhund). Eine Halterin sagte mir kürzlich, sie habe Angst vor ihrem Hund, weil er so dominant sei und sie würde darüber nachdenken, ihn auszusetzen. Das passiert hier mit den Hunden, die zu „Problemen“ ihrer Besitzer werden. Sie werden an einer Leitplanke angebunden, ausgesetzt oder schlimmeres. Hauptsache, man entledigt sich dieses Problems schnell und diskret. Furchtbar, wie ich finde!In der Zwischenzeit arbeite ich mit der Hundehalterin und ihrem Hund, und erst jetzt versteht sie, welche Bedürfnisse ihr Hund hat, was ihm fehlte und wie viel Spaß es machen kann, eine partnerschaftliche Beziehung zu dem Tier aufzubauen. Ein weiteres Problem, das man hier sicher nicht so schnell in den Griff bekommt, ist der Verkauf von Welpen in den spanischen Tierhandlungen. Man muss sich vorstellen: Ein kleines Geschäft, ohne Klimaanlage, ein kleiner Käfig auf dem Boden und darin sitzt ein kleiner Hund. Er wird meist für mehrere hundert Euro angeboten. Impfungen, Untersuchungen – Fehlanzeige. Wenn er zu groß wird und deshalb nicht mehr verkauft werden kann, landet er in einer Tötungsstation. Ware Hund!? Hund = Ware?! Ich frage mich immer wieder, was das für „Menschen“ sind, die so etwas tun. Ich als Deutsche kann nichts dagegen tun, ausser vielleicht diese Geschäfte zu meiden, zu boykottieren, und jeden davor zu warnen und so das Thema diskutabel zu halten. Was bleibt, ist die Frage, ob es nicht doch Möglichkeiten gibt, diesen (in meinen Augen) Verbrechern das Handwerk zu legen. Aber als Ausländer und dazu noch als Einzelkämpfer fühle ich mich machtlos. Natürlich kann ich nicht „jeden Hund retten“. Diesen einen habe ich zumindest vor einem schlimmen Schicksal bewahrt. Es ist immerhin ein Anfang und vielleicht spricht es sich demnächst herum, wie eine artgerechte Hundehaltung aussieht, bzw. aussehen kann. Trotzdem verdient dieses brisante Thema immer wieder unsere Aufmerksamkeit und Sensibilisierung. Vielen Dank, dass in diesem Blog auch die Hunde, die weit weg sind, nicht in Vergessenheit geraten!

  2. Eckbert sagt:

    Hallo Janette,
    danke für dieses lange Statement. Was Sie da tun, ist genau das, womit sich nach meiner Meinung im Lauf der Zeit und leider nur sehr langsam die Verhältnisse am ehesten zum Besseren wenden können. Es ist schön zu lesen, dass solches Handeln wirklich Erfolg haben kann!

    Wirklich schwer zu ertragen, wenn man solche „Hundehaltung“ auf die Dauer um sich hat. Ich bin kein Resident im Süden, aber immer wieder gerne dort, und zwar in verschiedenen Regionen. Eine Zeit lang habe ich mit dem Gedanken gespielt, später ganz irgendwo dort zu ziehen. Als ich einmal mit einem langjährigen Residenten im Algarve darüber sprach, meinte ich, dass ich dann sicher zu einem Sammler armer Hunde, Esel, Mulis und Pferde werden könnte, wenn ich nicht ganz gewaltig auf mich aufpassen werde. Der Resident, der selbst ein echter Pferdemann und Hundemensch war, antwortete darauf trocken: „Das wäre der Anfang deines persönlichen Ruins.“ Treffender kann man es, glaube ich, kaum sagen. Denn das Ausmaß dessen, was einem so übel aufstößt ist wirklich ungeheuer.

    Das schlimme ist die Gleichgültigkeit, die mindestens teilweise nicht einmal aus bösem Willen kommt. Man ist es gewohnt, dass es so ist wie es ist, und hat nicht die Gewohnheit, sich in irgendeiner Form weiterzubilden oder Informationen zu beschaffen.

    Da war zum Beispiel einer der vielen Esel mit so genannten Schnabel-Hufen, wie sie entstehen, wenn die Füße wieder gepflegt werden noch abgelaufen werden können, weil das Tier eben gar keine Bewegung hat. Eine deutsche Residentin in Spanien stellte den Besitzer eines so vernachlässigten Esels, der ihr das Tier angeboten hatte, zur Rede und sagte vielleicht auch, dass man ein Tier eher schlachten als derart herunter kommen lassen sollte. Allen ernstes wurde ihr gesagt, das würde man niemals tun können, denn man sei ja tierlieb und habe das Eselchen auch immer gern gehabt. Man könne nichts dafür, dass die Füße so wachsen, das sei eben die Natur. Ernst gemeint. Was soll man dazu noch sagen? Es wird nichts ankommen.

    Das ist einer der Gründe, warum ich versucht habe, meinen Artikel nicht allzu negativ in Bezug auf die dortigen Leute zu formulieren. Auch wenn einem die Galle hoch kommen kann: jeder steckt in seiner eigenen Haut und hat seine eigene Geschichte. Und darum meine ich eben, dass es Zeit brauchen wird (Und Leute wie Sie), aber dass ich eben doch denke, im Laufe von Jahren kann sich eine durchschnittliche Einstellung der Bevölkerung einer Region ändern. Dabei spielt sicher auch eine Rolle, dass es in Zukunft immer weniger Analphabeten, die vor nicht allzu langer Zeit in den abgelegenen Serras ohne weiteres noch oft anzutreffen waren, und mehr neue Vorbilder geben wird.

    Als Ausländer ist man wirklich machtlos. Selbst wenn man in Kontakt kommt und mit dem betreffenden Tierhalter persönlich bekannt wird. Da denke ich zum Beispiel an einen Spanier, der zwei Schäferhunde hatte. Diese wurden eigentlich gut gehalten und er liebte seine Hunde auch. Aber er konnte nicht damit umgehen. Jeden Kardinalfehler im Umgang mit Hunden konnte man in kürzester Zeit beobachten. Trotzdem liefen diese beiden immer frei mit dem durch das Gelände und waren ihm treu ergeben. Hunde hängen eben an ihrem Menschen, auch dann wenn sie auf die bekannte widersinnige Art und Weise bestraft werden, nur weil sie nicht beim ersten Ruf gekommen sind. Aber es ist leider nicht möglich, gegen den spanischen Machismo anzureden. Ich will lieber nicht meine Schwiegermutter zitieren, die gern mal sagte: „Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz“. Aber auch bei uns in Deutschland steht die gleiche Einstellung vielen im Wege, wenn es darum geht, eigene Fehler zu erkennen und es besser zu machen. Trotzdem: der Ausdruck „stolz wie ein Spanier“ steht schon auf einer gewissen Grundlage, finde ich.

    Bleibt zu hoffen, dass die südliche Sonne (ich werde Sie in den kommenden Monaten darum beneiden) ihren positiven Einfluss auf darauf ausdehnt, bei der angestammten Bevölkerung eine aufnahmebereite Einstellung gegenüber den Anliegen des Tierschutzes und der Gewissheit, dass Tiere eben leidensfähige Kreaturen mit physischen und psychischen Bedürfnissen sind, zu erzeugen.

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